Uslar

Community Organizing im Forum Kinderarmut Uslar


Rahmenbedingungen
Der Raum Uslar gehört mit seinen ca. 15.000 Einwohnern zum Landkreis Northeim und ist ländlich strukturiert. Dem strukturschwachen Gebiet wird laut Zukunftsatlas 2010 des Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos und des Handelsblattes eine geringe Entwicklungsfähigkeit zugesprochen. Der Zukunftsatlas berücksichtigt die Bereiche Arbeitsmarkt, Demografie, Wirtschaft und die soziale Lage.
Die strukturellen Rahmenbedingungen spiegeln sich ebenfalls in der Armutsquote wieder. In Uslar leben ca. 14% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 0-18 Jahren in Familien, die mit Transferleistungen nach dem SGB II (Hartz IV) auskommen müssen.

Die Anfänge
Das Forum Kinderarmut wurde 2007 auf Initiative des Diakonischen Werkes in Uslar gegründet. Ziel war und ist es weiterhin, Missstände in den Lebensverhältnissen von benachteiligten Kindern vor Ort aufzuzeigen und Lösungsansätze zu finden. Das Diakonische Werk Uslar unter Leitung von Hanna Reiche konzentrierte sich von vornherein darauf, möglichst viele Personen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen an der Arbeit des Forums zu beteiligen. Ein Anliegen des Forums war es von Anfang an, Strategien zu entwickeln, wie das Problem Kinderarmut strukturell und nachhaltig gelöst werden kann.

Die Arbeitsweise
Das Forum Kinderarmut bildete drei Arbeitsgruppen, die sich mit folgenden Themenbereichen beschäftigten: Bildung, Freizeit und Frauen- und Familienberatung. Interessierte konnten in einer, aber auch in mehreren Arbeitsgruppen mitarbeiten und sich engagieren. Es wurden Ideen entwickelt, die in zahlreichen Projekten und Aktionen umgesetzt wurden:

 

  • Schülerbeihilfen für alle bedürftigen Kinder und Jugendlichen an Uslarer Schulen
  • Projekt „Schüler helfen Schülern“, eine Hausaufgabenbetreuung an der Sollingschule Uslar und an der Grundschule Schoningen, verbunden mit einem gemeinsamen Mittagessen
  • Starterpakete für Erstklässler in Höhe von 100 € in den Schuljahren 2008 und 2009 landkreisweit in Zusammenarbeit mit der Jugendstiftung des Landkreises Northeim
  • Kochkurs „Kinder kochen für ihre Eltern“
  • Projektplanung „Frühe Hilfen“ – Soziale Gruppenarbeit mit jungen Müttern
  • Initiative „Beitragsfreie Mitgliedschaft in Uslarer Vereinen“
  • Teilnahme am Förderprogramm DabeiSein! des Landes Niedersachsen

Einführung von Community Organizing
Um allerdings noch zielgenauer als bisher Projekte zur Bekämpfung von Kinderarmut planen und durchführen zu können, entschieden sich die Freiwilligen des Forums Kinderarmut, einen neuen Weg zu gehen. Die Methode Community Organizing sollte uns dabei helfen. Hanna Reiche, die bereits selbst diese Arbeitsmethode kennen gelernt hatte, sorgte dafür, dass alle Interessierten ebenfalls einen Einblick in diese Arbeitsweise bekamen. So wurde ein Workshop zu Community Organizing mit Paul Cromwell veranstaltet. Danach sprachen sich die Teilnehmer/innen des Forums Kinderarmut dafür aus, Community Organizing in Begleitung von Paul Cromwell im weiteren Prozess auszuprobieren.

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Community Organizing
Es folgten einige weitere Workshops und Seminare für die Teilnehmer/innen, bis es dann endlich losgehen konnte. Der Zuhörprozess wurde speziell mit Familien gemacht, die von Armut betroffen waren. Gerade deren Anliegen galt es, mithilfe von Community Organizing zu erfahren und sie einzuladen, an Problemlösungen mitzuarbeiten. Der Zuhörprozess fand nach langen Startschwierigkeiten von Ende April bis Anfang Juni 2010 im Raum Uslar statt. Insgesamt führten 9 Freiwillige etwa 40 Gespräche mit betroffenen Familien. Anschließend wurde zu einem ersten Kennenlerntreffen eingeladen, um den Befragten die Ergebnisse des Zuhörprozesses zu präsentieren und um Absprachen über das weitere Vorgehen zu treffen. Es wurden verschiedene Bildungs- und Freizeitprojekte gemeinsam umgesetzt, wie z.B. Kartoffeln pflanzen oder Kochkurse.

Seit Oktober 2010 setzt sich das Forum Kinderarmut mit dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auseinander. Am 1.12.2011 lud das Forum Kinderarmut zu einer Informationsveranstaltung ein. Ehrenamtliche des Forums Kinderarmut haben im Vorfeld 50 Gespräche mit Vertretern von Schulen, Kitas und Vereinen sowie mit betroffenen Eltern durchgeführt, um Hürden und Hemmnisse bei der Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilhabepakets zu identifizieren. Das Forum Kinderarmut konzentriert sich nun auf einen Leistungsbereich und recherchiert übertragbare Praxisbeispiele, um daraus Vorschläge für die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets abzuleiten. Die Mitglieder des Forums möchten somit am Abbau von Hürden mitwirken.

Finanzierung der Projekt-Koordinationsstelle
Aufgrund des jahrelangen erfolgreichen Engagements des Forums Kinderarmut konnte im November 2010 eine Stelle für die Koordination des Projektes Community Organizing für drei Jahre geschaffen werden. Die Finanzierung des Projektes setzt sich aus Mitteln des Diakonischen Werkes, Sondermitteln der Ev.- luth. Landeskirche Hannovers für besondere Projekte in der Diakonie sowie aus Fördergeldern der Sozial- und Sportstiftung des Landkreises Northeim zusammen.

Kontaktdaten:
Diakonisches Werk des Ev.-luth. Kirchenkreises Leine-Solling
Forum Kinderarmut
Kreuzstraße 10
37170 Uslar
Tel.: 05571/ 9241-11

Ansprechpartnerin:
Melanie Schmidt, Kirchenkreissozialarbeiterin

Das Bild im Header stammt von Frau Christina Junginger.

Der aktuelle Flyer des Forum Kinderarmut

application/pdf 2014_ Flyer Forum Kinderarmut.pdf (1,3 MB)